Glutenfreie Restaurants, Hotels und Einkaufsmöglichkeiten über Portale suchen

In der Vergangenheit hatte ich wiederholt auf  Internetportale, die sich auf die Suche von Hotels, Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten mit glutenfreiem Angebot spezialisiert haben hingewiesen – z.B. in den Artikeln  Urlaubsplanung und -vorbereitung und Infos, Hilfe und weiterführende Links. Grund genug, sich mit dem Thema einmal ausführlicher zu befassen und die einige Portale näher unter die Lupe zu nehmen.

Wie funktionieren die Portale?

Die Betreiber der Portale stellen meist nur die Plattform bereit und bauen zum Start einen gewissen Grundbestand an qualitätsgesicherten Adressen samt kurzer Beschreibung auf. Weitere Einträge erfolgen in der Regel durch engagierte Nutzer oder die Eigentümer des jeweiligen Betriebs selbst. Besucher können vorhandene Einträge kommentieren und ihre positiven oder negativen Erfahrungen schildern. 

Die Suche nach relevanten Einträgen erfolgt entweder über die Eingabe von Ort / Postleitzahl oder eine interaktive Karte. Über weitere Kriterien kann die Suche konkretisiert werden.
Die Suchergebnisse werden meist kombiniert über eine Liste und eine Karte dargestellt.

Daneben gibt es eine ganze Reihe spezialisierter Apps, auf die ich hier im Artikel nicht näher eingehe.

Wer nutzt die Portale?

  • Menschen, die an Zöliakie erkrankt sind, unter einer Glutensensitivität leiden oder sich aus anderen Gründen glutenfrei ernähren
  • Unternehmen, die Ihr glutenfreies Angebot bekannt machen möchten

Wo liegen die Probleme?

Was sich zunächst gut anhört, stößt in der Realität schnell an Grenzen:

  • Viele Portale werden von engagierten internetaffinen Privatpersonen angeboten.  Das Projekt wird mit großer Begeisterung gestartet, im Alltag fehlt dann allerdings die notwendige Zeit zur laufenden Pflege der Anwendung und des Adressbestandes. Oft erfüllen sich die Erwartungen bezüglich der Besucherzahlen nicht. Und irgendwann schläft das Ganze ein.
  • Die Definition, was ein ‚glutenfreier Ort‘ ist, ist gar nicht so einfach.
    Welche Restaurants sollen aufgeführt werden? Nur solche, die sich direkt und ausdrücklich an Menschen wenden, die sich glutenfrei ernähren müssen oder wollen? Restaurants, die eine vorbildliche Speisekarte haben, in der alle Allergene korrekt ausgewiesen sind und auf der sich auch tatsächlich eine Reihe glutenfreier Gerichte findet? Oder Restaurants, in denen der Koch auf Bitte des Gastes ein vorhandenes Gericht abwandelt und glutenfrei kocht?
    Ähnlich bei den Einkaufsmöglichkeiten. Wann ist ein Laden für den glutenfreien Einkauf besonders geeignet? Wenn es ein paar wenige glutenfreie Grundprodukte wie glutenfreie Nudeln, glutenfreies Mehl und glutenfreies Brot gibt? Dann müsste auch jede Aldi-Filiale aufgeführt sein. Oder erst ab einer bestimmten Sortimentsgröße? Wo liegt da dann die Grenze?
    Ihr könnt es Euch schon denken. Bei Hotels stellt sich die Frage ähnlich …
  • Eng damit verbunden ist das, was ich Massenproblem nennen würde: Angenommen der Portalbetreiber geht davon aus, dass das glutenfreie Angebot der Drogeriemarktkette dm umfangreich genug für einen Eintrag ist, so wird es kaum gelingen, alle Filialen einzupflegen. Darüber hinaus habe ich festgestellt, dass beispielsweise in Österreich wohl nicht mehr alle dm-Märkte glutenfreie Produkte anbieten oder das Sortiment sich je nach Filiale unterscheidet. Schwierig.
  • Die Adressdaten ändern sich ständig. Lokale und Hotels eröffnen und schließen oder gehen pleite. Der Inhaber testet ein (glutenfreies) Angebot. Das Interesse ist groß – oder auch nicht. Das Sortiment ändert sich. Koch oder Personal werden ausgetauscht. Einträge sind schnell erfasst. Eine Löschung erfolgt dagegen selten.
  • Das Engagement der ‚Community‘ wird überschätzt. Ich wage zu behaupten, dass auf 1.000 passive Leser maximal 1-2 aktive Nutzer kommen, die Adressen erfassen und pflegen oder Kommentare schreiben.
  • Last but not least: Die Entwicklung eines Portals ist aufwändig und erfordert umfangreiches fachliches und technisches Know-how. Fertige Standardlösungen gibt es nicht. Das macht man nicht ’nebenbei‘.

Nach welchen Kriterien beurteile ich die Portale

Wenn ich mir eine Meinung über ein Portal bilden will, schaue ich vor allem auf folgende Punkte:

  • Wie groß ist der Adressbestand grundsätzlich? Gibt es Länder oder Regionen, auf die sich das Portal spezialisiert hat?
  • Ist der Adressbestand aktuell? Kommen laufend neue Adressen hinzu? Und sind umgekehrt insbesondere bekannte ‚glutenfreie Points‘, die es längst nicht mehr gibt, gelöscht oder mit einem entsprechenden Vermerk gekennzeichnet?
  • Macht es (ganz subjektiv) Spaß mit dem Portal zu arbeiten? Ist es intuitiv zu bedienen? Und funktioniert es mit unterschiedlichen Browsern und Browserversionen?

Anmerkung: Die Prüfung der erfassten Adressen habe ich im Juli 2018 am Beispiel meines Wohnorts München durchgeführt, weil ich mich da am besten auskenne und mir Fehler natürlich am ehesten auffallen … 😉 …

Übersicht, Liste der Portale

Schär – früher Glutenfree Roads

Über Schär zu schreiben ist in der Glutenfrei-Welt sprichwörtlich so ähnlich, wie ‚Eulen nach Athen‘ zu tragen. Die die App und das Onlineportal ‚GlutenfreeRoads‘ hat mir immer gut gefallen. Nun scheinen diese in einer neuen Anwendung aufgegangen zu sein.

Der Einstieg in die Desktopsuche erfolgt jetzt über drei Kategorien ‚Einkaufen‘, ‚Essen‘ und ‚Reisen‘. Nach der Eingabe von Postleitzahl oder Ort erscheint zunächst eine (mehrseitige) Liste mit glutenfreien ‚Punkten‘, also Adressen von Läden, Restaurants oder Hotels. Erst dann kann auf die Karte verzweigt werden. Ein Gesamtüberblick über alle Kategorien ist also anscheinend nicht möglich. Der Adressbestand ist teilweise hoffnungslos veraltet. So tauchen immer noch die Kaisers- und Tengelmannmärkte auf. Biomarktketten wie denns oder Basic fehlen dagegen völlig.

Die ebenfalls erwähnte Schär Gluten Free App habe ich bisher noch nicht ausprobiert.

Fazit: Hat stark nachgelassen!

gfgermany – Glutenfrei durch Deutschland

Der Name sagt es schon: gfgermany beschränkt sich hauptsächlich auf Deutschland, auch wenn vereinzelt auch Adressen im Ausland, zum Beispiel in Österreich oder Südtirol zu finden sind. Gelistet werden Restaurants, Unterkünfte, Supermärkte und Geschäfte, Reformhäuser, Bäckereien, Cafés und Bistros sowie Eisdielen. Der Adressbestand scheint aus verschiedensten Quellen zu stammen, u.a. auch aus Beiträgen des Zöliakietreffs und ist recht umfangreich. Viele Adressen wurden offenbar vom Inhaber verifiziert. Allerdings bestehen auch große Lücken. So sind die Filialen von dm (Drogeriemarkt) oder der Biomarktkette Alnatura in aller Regel aufgeführt. Andere Bioketten wie denns oder Basic sowie die Vitalia-Reformhäuser fehlen dagegen völlig. Ähnlich die Situation bei den Restaurantketten: Vapiano ist zu finden, dean & david dagegen nicht. Die Suche über die Karte ist einfach und intuitiv. Unterstützend können Postleitzahl oder Ort als Suchkriterien eingegeben werden. Leider funktionierte die Karte in meinem letzten Test (Juli 2018) mit dem aktuellen Internet Explorer nicht.

Fazit: Schön gemacht mit Luft nach oben!

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Ihr merkt: So ganz glücklich bin ich mit den Portalen nicht.  Der Adressbestand ist meistens recht lückenhaft und oft veraltet. Daher für die Recherche immer mehrere Portale verwenden und die Einträge vergleichen. Am besten die Webseite des tatsächlichen Anbieters zu Rate ziehen und im Zweifel per Mail oder telefonisch direkt nachfragen.

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